Ironman Austria 2019

Triathlon Klagenfurt

Ironman Austria

Klagenfurt – Am 7. Juli 2019 war es wieder so weit. Was im November 2018 mit den ersten lockeren Trainingseinheiten begann, wurde nach 12 Stunden und drei Minuten zu Ende gebracht.

Vorweg zu den Rahmenbedingungen: Bei der Triathlon-Langdistanz handelt es sich um eine Ausdauersportart bestehend aus den Disziplinen – Schwimmen (3,8km), Radfahren (180km) sowie Laufen (42,195km). Diese werden nacheinander und genau in dieser Reihenfolge absolviert.

 

Das Schwimmen

Die Wassertemperatur des Wörthersee betrug über 24,5 Grad was zu einem Neopren-Wetsuit-Verbot führte. Prinzipiell dient ein Wetsuit als Kälteschutz hinzukommend gibt dieser ein gewisses Maß an Sicherheit durch den zusätzlichen Auftrieb. Gerade schwächere Schwimmer profitieren davon.

Für meinen Teil hatte ich mich zu hundert Prozent darauf verlassen mit eben dieser „Schwimmhilfe“ zu starten. Den Großteil meiner Vorbereitung hatte ich darauf ausgelegt. Meine längste Freistildistanz waren 400 Meter ohne Hilfsmittel. Zudem hatte ich nur drei Mal im Freiwasser trainiert. Diese Faktoren in Kombination mit dem Verbot zogen meine Mundwinkel mit Sicherheit nicht nach oben. Es stellte sich daher eher Unsicherheit sowie leichte „Panik“ ein. Körperlich war ich aber mit Sicherheit bereit. Vor allem das Functional Evolution Training in Kombination mit meinem Athletikprogramm bildeten ein stabiles Fundament.

Die Vorstartphase ist meiner Meinung nach einer der schönsten Augenblicke. Im Vorhinein treten schließlich immer gewisse Unsicherheiten auf. Habe ich genug trainiert, bin ich wirklich bereit? Kurz vor dem Start tritt jedoch endlich Ruhe ein. Man legt seinen Fokus wieder nach innen. Störgeräusche werden komplett ausgeblendet. Man hat es bis an die Startlinie geschafft. Ferner blickt man auf eine unglaubliche Kulisse. Tausende Athleten sowie zahlreiche Zuschauer und vor allem geliebte Menschen erzeugen einen Augenblick, welcher für die Ewigkeit bestimmt ist.

Nun zum Schwimmen selbst. Im Gegensatz zu meinem wöchentlichen Schwimmtraining fühle ich mich in Wettkampfsituationen nahezu pudelwohl. Im Schwimmbecken funktioniert die Orientierung mit Hilfe einer schwarzen Linie am Beckengrund. Im Freiwasser wird der Kopf leicht gehoben und man blickt nach vorne, um sich auf Kurs zu halten. Wellengang, herumschlagende Mitschwimmer, leichte Strömungen sowie unterschiedliche Lichtverhältnisse sind ein gewisser Zusatz, welcher durchaus seinen Reiz besitzt. Das Schwimmen im Pulk verging unheimlich schnell, die ersten Bojen wurden nach und nach eingesammelt. Nach den ersten 1.300 Meter hatte man auch schon den äußersten Rand der Schwimmstrecke erreicht. Am Rückweg wurde es deutlich anspruchsvoller, da man gegen die tief stehende Sonne anschwimmen musste. Nach rund 3.000 Meter hatte ich den Lendkanal erreicht. Ab diesem Zeitpunkt fällt die Orientierung wesentlich einfacher, da man direkt neben der Böschung schwimmt. Zudem steigt der Lärmpegel. Die Stimmung ist wirklich einzigartig. Man ist nur wenige Meter von zahlreichen Zusehern entfernt. Man spürt hinzukommend, wie ruckartig die Strömung einsetzt und man durch den einsetzenden Wasserschatten der Vorderleute an Geschwindigkeit zulegt. Durch den starken Bewuchs des Kanals muss man jedoch einiges an „Grünzeug“ aus dem Weg räumen. Dies ist der einzige Abzug bezüglich der Schwimmstrecke. Nach 1:29 war auch für mich das Schwimmen beendet.

 

Das Radfahren

Dieses Jahr gab es eine Premiere mit der neuen Radstrecke. Durch meinen Start im Vorjahr konnte ich einen direkten Vergleich ziehen. Der neue 180km Kurs führt zunächst vom sich in der Nähe befindenden Unigelände Richtung Maria Saal über St.Veit, Feldkirchen bis man wieder zum Wörthersee gelangte, um anschließend auf die alte Strecke anzuknüpfen. Auf dem ersten Streckenabschnitt liegt auch gleich mein größter Kritikpunkt. Die Verpflegungsstelle in St.Veit ist definitiv mehr als nur suboptimal. Es wurde zwar entsprechend für Stimmung gesorgt, da dieser Teil des Wettkampfs durch die Innenstadt führte jedoch war der angeführte Streckenabschnitt mit Pflastersteinen überhäuft. Hinzukommend wurde gerade hier eine Verpflegungsstation eingerichtet. Ein Großteil des Areals war mit Trinkflaschen sowie anderer Verpflegung gesät, da sich durch die starken Vibrationen, welche dem Untergrund geschuldet waren, einige Dinge von den Rädern gelöst hatten. Wenn es einem halbwegs gelang alle Hinternisse zu umschiffen musste man seine Fahrkünste ein weiteres Mal bei der Aufnahme an der Verpflegungsstelle an der Tag legen. Dies stellt für mich persönlich allerdings den einzigen Kritikpunkt dar.

Langsam wurde es düster. Ab Rennstunde vier merkte man deutlich, dass sich ein Gewitter anbahnte. Fünfundvierzig Minuten später war dies dann Gewissheit. Kurz vor dem Rupertiberg hat mich das Gewitter in Empfang genommen. Relativ rasch wurde mir klar, dass ich in einen ziemlichen Sturm gelangen würde. An meine Wettkampfzeit bzw. an ein kontrolliertes Pacing war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken. Hagel wechselte sich mit starken Windböen sowie ergiebigen Regenschauern ab. Mir war es nicht mehr ansatzweise möglich meine Aeroposition zu halten. Meine Laufräder stellten ein gefundenes Fressen für den einsetzenden Wind dar. Daher musste ich in den Oberlenker wechseln. Als größtes Problem stellte sich allerdings der Temperatursturz dar. In kürzester Zeit viel die Temperatur von zirka dreißig Grad auf unter fünfzehn. Durch die zusätzliche Abfahrt setzte dann sehr schnell eine Unterkühlung bei mir ein. Ich kann getrost sagen, dass es mir in meinem ganzes Leben noch nie so kalt war. Ich konnte meinen Lenker nicht mehr loslassen, da ich am ganzen Körper unkontrolliert zitterte. Meine Zähne klapperten über eine halbe Stunde durchgehend aneinander. Ich konnte mich nicht einmal mehr verpflegen, da ich Angst hatte zu stürzen. Erst ab Höhe Stadion in Klagenfurt beruhigte sich das Wetter wieder. Es setzte definitiv Erleichterung ein als ich wusste, dass ich jetzt gleich die Wechselzone erreichen würde. Abschließend betrug meine durchschnittliche Leistung 176 Watt mit einer Fahrzeit von insgesamt 6:06 Stunden. Unter diesen Umständen war für mich persönlich nicht mehr möglich. Mit dem Einsetzen des Unwetters musste einfach die Vernunft siegen.

Das Laufen

Die Wechselzone erinnerte an ein Krisengebiet. Es waren überall Sanitäter zu sehen, welche zusätzlich das Geschehen belebten. Zudem waren zahlreiche Teilnehmer in Wärmefolien gewickelt. Einigen konnte man den Schock noch direkt in ihren offen Augen ansehen. Für viele war hier das Rennen definitiv zu Ende. Komischerweise hatte ich diesen Entschluss für mich nicht in Erwägung gezogen. Ich wollte mich einfach nur mehr umziehen, um meinen Körper irgendwie zu wärmen. Mich hat es nach wie vor am ganzen Körper gerissen. Meine Wechselzeit in T2 lag weit über 15 Minuten. Ein Grund dafür lag darin, dass ich kein Gefühl mehr in meinen Fingern hatte und daher einfach nicht mehr meine Schuhe anziehen konnte. Ein Moment ist mir noch sehr gut in Erinnerung. In der Wechselzone ist mir ein Herr gegenübergesessen. Bei ihm lief der Wechsel ebenfalls nicht wesentlich flüßiger ab. Als wir beide es dann doch endlich geschafft hatten lächelten wir uns an und schüttelten nur den Kopf. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich das Rennen finishen würde. Ich war einfach zu weit gekommen. Der Lauf fühlte sich auf Anhieb hervorragend an. Das Wetter wurde schlagartig besser, Klagenfurt zeigte sich wieder von seiner besten Seite. Innerhalb der ersten Meter wurde es mir sofort wieder warm. Den Marathon konnte ich danach in 4:14 abschließen. Meine Laufgeschwindigkeit konnte konstant mein zirka sechs Minuten pro Kilometer gehalten werden. Im Nachhinein wäre beim Lauf wesentlich mehr möglich gewesen, da ich nie in ein energetisches Tief gefallen bin. Diesmal hatte ich einfach etwas zu viel Respekt vielleicht doch noch gegen Ende des Rennens hochzugehen. Der Zieleinlauf war ein absoluter Hochgenuss. Es war zwar mit Abstand meine langsamste Langdistanz aber an diesem Tag hatte ich für mich ganz persönlich etwas großartiges vollbracht. Ingesamt haben über 1000 Personen das Rennen nicht zu Ende gebracht. Hinzukommend stand sogar ein möglicher Rennabbruch im Raum.

 

Conclusio:

Die Triathlon Langdistanz und vor allem das Rennen in Klagenfurt sind etwas ganz spezielles. Die Magie wird spürbar sobald man einmal den Wörthersee erblickt. Nicht umsonst stellt dieses Gebiet eine traumhafte Urlaubsregion dar.

Warum gerade Langdistanz? Alleine die Vorbereitung ist immer ein unglaubliches Abenteuer. Man lernt mit Höhen und Tiefen besser umzugehen. Schlechte Momente werden unausweichlich ein Teil der Reise sein. Im Leben sowie im Triathlon sollte man daher nicht zu viel planen. Dinge einfach anzunehmen und vor allem körperlich bereit zu sein sind Schlüsselfaktoren. Egal, ob als Trainer, Zuseher oder Athlet, das Event wird mich mit Sicherheit wiedersehen.